| die
Dunkelheit nicht aussperren ..... |
| gemeinsam
die Zeichen der Nacht erkunden |
Stelle
Dich unter die Sterne
und sage Ihnen, was Du willst,
lobe oder tadele sie,
befrage sie, bete zu ihnen,
wünsche Dir etwas.
Das Weltall antwortet nicht,
aber es spricht.
Timothy Ferries |
Der 23. September wird in unserem Kalender als Herbstanfang
bezeichnet, die andere Bezeichnung dieses Tages, Herbsttagundnachtgleiche,
weist daraufhin, dass nun jeden Tag ein Stück mehr und
etwas früher das Tageslicht der Dämmerung und der
Dunkelheit weicht.
Die meisten Menschen erleben diese Zeit mit einer gewissen
Wehmut und empfinden die zunehmende Dunkelheit sogar als unangenehm,
als Einschränkung des Lebensgefühls. Darin drückt
sich nicht nur der herrschende Zeitgeist aus, der den Möglichkeiten
dieser Jahreszeit, Ruhe, Einkehr und Besinnung zu finden,
so wenig Bedeutung und Platz einräumt. Darin kommt auch
die Angst des Menschen vor dem Dunklen zum Ausdruck. Der Lebensraum
der Dämmerung und der Nacht wird meist als unsicher,
wenn nicht gar bedrohlich erlebt. Der Mensch ist ein "Augentier",
der Sehsinn ist seine wichtigste Quelle der Wahrnehmung, er
ist ein "tagaktives" Wesen, das in der Dunkelheit
verletzlicher ist und realen Gefahren ausgesetzt sein kann.
| die Angst vor dem Dunklen....... |
Die Angst vor dem Dunklen gilt aber nicht nur realen Bedrohungen.
In der Stille und der Dunkelheit der Nacht verändern
sich die Situationen und die Dinge, die am Tage selbstverständlich
sind. Kindern eröffnen sich Räume für die unterschiedlichsten
Wesen, für Erwachsene scheinen dagegen die Probleme des
Tages größer, wenn nicht gar unlösbar. Diese
Gefühle sind tief verwurzelt in unserem Erleben, sie
drücken sich zum Beispiel auch darin aus, dass vor allem
in unserem Kulturraum den Tieren der Nacht meist die Rolle
des Bösen, Furchtbaren oder Ekelerregenden zugewiesen
wird.
Die andere Seite der dunklen Nacht zeigt sich jedoch zum Beispiel
in dem Eindruck, den ein klarer Sternenhimmel bei jedem Menschen
hinterlässt. Faszination und Staunen werden durch die
überwältigende Größe einer sternklaren
Nacht an die Seite der bedrohlichen Gefühle treten. Die
Angst wird nicht verschwinden, aber wir erleben die Nacht
auch von der anderen Seite, die uns zeigt, welche tiefen Eindrücke
möglich sind, wenn wir die Dunkelheit nicht aussperren,
sondern bereit sind, sie anzuschauen und auf uns wirken zu
lassen.
| ......weicht
in Teilen tiefen, neuen Eindrücken |
Dämmerung, Dunkelheit und die Nacht bewusst erleben,
dies eröffnet für Kinder und Erwachsene einen bedeutenden
Erfahrungsraum, der ihnen oft bisher fremd blieb. Sich gemeinsam,
langsam und behutsam dem Dunklen, den Wundern sowie den vermeintlichen
Monstern der Nacht zu nähern, kann in besonderem Maße
das gegenseitige Verständnis und das Vertrauen vertiefen.
Es kann bedeuten, gemeinsam etwas Neues kennenzulernen und
zu erkunden. Unbedingte Voraussetzung muss allerdings sein,
dass die Gefühle, die Ängste und das Aufnahmevermögen
der Kinder Tempo und Ausmaß der gemeinsamen Erlebnisse
bestimmen.
| die
"blaue Stunde" eröffnet.... |
Die "blaue Stunde" erleben, "Dämmerstunde"
halten, dies war in früheren Zeiten vor allem auf dem
Lande ein Brauchtum, um bewusst den Tag ausklingen zu lassen,
die Last und die Hektik abzulegen, sich der guten und schönen
Erlebnisse zu besinnen und in Ruhe auf den Abend und die Nacht
vorzubereiten. Sich selbst und den Kindern ab und zu eine
solche Stunde zu schenken, vielleicht diese Zeit draußen
oder im Zimmer ohne elektrisches Licht zu verbringen, dabei
eine Geschichte erzählen oder einfach nur zu schauen,
das ist bereits eine Möglichkeit, die positiven und kraftspendenden
Eigenschaften von Dämmerung und Dunkelheit zu erfahren.
Beim letzten Farbenspiel eines Sonnenuntergangs und dem Erscheinen
des Abendsterns sind bereits die Veränderungen zu spüren,
die wir in der Dunkelheit wahrnehmen. Gerade Kinder haben
ein Gespür dafür und sind schnell fasziniert davon.
Die Geräusche und die Tierstimmen haben einen anderen
Klang, auch die Gerüche wandeln sich. Der Hör- und
Geruchssinn wird mit einmal intensiver als am Tag angesprochen,
auch in einer Stadt (vorausgesetzt, man steht allerdings nicht
gerade an einer neonüberflutenten Hauptverkehrsader oder
in einem Einkaufszentrum).Die nachtaktive Tierwelt beginnt
sich zu regen, selbst im städtischen Umfeld haben sich
Kleintiere und Fledermäuse ihren Lebensraum erobert und
können still beobachtet werden.
Kleinere Kinder greifen meistens schnell zu den Bildern aus
Märchen und Mythen, um ihre Empfindungen in Worte zu
fassen, die Welt der Trolle, Feen und Elfen erwacht. Auch
für Erwachsene ist es ein Gewinn, sich diesen Momenten
nicht zu verschliessen und sich gemeinsam mit den Kindern
dieser kleinen, anderen Welt hinzugeben. Als Gegenpol zu unserer
rastlosen, rational bestimmten Zeit ist es ungeheuer inspirierend,
die Welt einmal von der Warte anderer Wesenheiten zu betrachten.
Oft erscheinen dann auch die eigenen Probleme aus einer anderen
Sicht.
| und
den Blick auf das Universum |
Das wundervollste Erlebnis in der Nacht ist das Beobachten
des Sternenhimmels und des Mondes. Im Winter reicht bereits
der Dreiviertelmond, um alles in ein magisches Licht zu tauchen.
Die Milchstrasse und Sternenbilder zu erkennen und zu beoachten,
was allerdings einer gewissen Information und Vorbereitung
bedarf, ist für ältere Kinder ein bedeutendes Erlebnis.
Das Erkennen, Teil dieses unermesslich großen Weltalls
zu sein, ruft zumeist mannigfaltige Fragen und Gespräche
nach dem Ursprung und dem Sinn allen Lebens hervor. Entlang
der Symbolbilder unseres Weltalls und der Sterne können
sich dann oft familiäre Gespräche entwickeln, die
in anderen Zusammenhängen lieber gemieden werden oder
schwierig sind. Jüngere Kinder finden dagegen andere
Zugänge zu diesem Erleben, sie geben den Sternen einen
Namen oder hören vor und bei dem Spaziergang die wundervollen
Sternensagen, in denen bildhaft so viel Urwissen der Menschen
aufgehoben ist.Es gibt viele Möglichkeiten, gerade in
schwierigen Zeiten, die wachsende Dunkelheit nicht als einen
weiteren unwirtlichen Umstand zu sehen, sondern ihre Eigenart
und ihr Wesen zu einer Bereicherung des Lebens werden zu lassen.
Erlebnisse in der Dunkelheit sind etwas Besonderes und machen
wach für neue Eindrücke und Fragen, eventuell Antworten,
auch in uns selbst.
Viele wunderschöne Ideen, gemeinsam in der Familie die
Dunkelheit zu erleben, Spiele, Geschichten, Gedichte und Informationen
finden Sie in folgenden Büchern:
Claudia Wulff, Mit Kindern die Geheimnisse der Nacht
erkunden,
Herder Spectrum 2001
Michael Kalff, Kinder erfahren die Stille,
Herder 1998
Maj Samzelius, Helden und Ungeheuer am Himmelszelt,
Herder 1997
(Sternensagen frei und kindgerecht erzählt)
Robbin Kerrod, Sterne, Sterne,
Astronomie für Kinder
Bechtermünz 1999
(in diesem Buch ist unter anderem eine Beschreibung, wie sich
ältere Kinder
ein eigenes Teleskop bauen können )
P.S. Und nicht vergessen:
Im November kommt wieder der Sternschnuppenschwarm der Leoniden
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