zero
Löwenkind_online Anregungen
die Kraft der Rituale

Die Kraft der Rituale

Rituale in unserem Leben -

Die meisten unter uns denken bei diesem Thema an die Zeit der Lichter und der Feste im Winter; einige an das Leben in ihrer religiösen Gemeinschaft, vielen fallen liebgewordene Alltags- und Familienrituale ein, zum Feierabend, an Geburtstagen.

Die wenigsten würden jedoch bei Problemen oder in Lebenskrisen spontan und bewusst an die Möglichkeit denken, sich mit dieser Situation über Rituale auseinander zusetzen. In unserer Gesellschaft gibt es jenseits von religiösen Gemeinschaften kaum Rituale, die - wie früher oder in anderen Gesellschaften - in den Wechselfällen des Lebens eine Auseinandersetzung mit Spannun-
Ein Teller voller roter Rosenköpfe
gen, Ängsten und Übergangssituationen anbieten. Dies gilt als sinnentleertes Relikt aus alten Zeiten oder wird in die esoterische Nische verwiesen. Zu Unrecht!

An diesem Punkt kann man direkt etwas von der Werbe- und Unterhaltungsindustrie lernen, die Milliarden investiert, um das Vermögen des Menschen anzusprechen, über Symbole und Zeichen sich einen Platz in seiner Welt zu suchen. Und nichts anderes sind Rituale!

Sei es der Geburtstagskuchen, die Lieblingsmarke oder die Tasse Tee am Feierabend, dieses wohlige Gefühl, der Ausdruck einer eigenen Befindlichkeit, einer Zugehörigkeit, eines Empfindens jenseits der Worte, ist das, was die Kraft von Ritualen ausmacht.

Deswegen lieben Kinder Rituale, sie geben ihnen Halt und Geborgenheit. Rituale stärken eine Familie, eine Freundesgemeinschaft, zeigen ihren Zusammenhalt, ihre eigene Kultur. Sie sind so vielfältig wie die Menschen selbst, ihre Bedürfnisse und Probleme.

In schwierigen Zeiten Rituale suchen, gemeinsam neu erfinden, heißt durch Symbole, Handlungen und Bilder Kraft zu suchen.
Eine wunderschöne Lampe in orientalischen Stil

Rituale schaffen Ruhemomente. Dabei können es ganz kleine, widerkehrende Momente sein, z.B. gemeinsam in eine Kerze zu schauen, das Spiel der Flamme beobachten und den Gedanken dabei ihren freien Lauf lassen. Gemeinsam einen Punkt der Ruhe suchen, zeitlich oder örtlich, kann gerade für das Familienleben wichtig sein, wenn es sehr hek-tisch und zerrissen zugeht.
Man kann z.B. auch in der Wohnung oder in einer Zimmerecke eine Ruheinsel schaffen, die nur zum Kuscheln, Vorlesen und Erzählen dient.

Rituale schaffen ein Zugehörigkeitsgefühl, um sich des Zusammenhalts und des gegenseitigen Trosts zu versichern. Gemeinsame Armbänder, Steine, wichtige Kleinode

können auch helfen, Zeiten von Trennungen zu überbrücken. Aber auch aktivere Handlungen taugen in schweren Zeiten, zum Beispiel das Entwerfen eines gemeinsamen Familienbildes, einer Art Wappen, um auszudrücken, wir stehen zueinander.

Ständig wiederkehrende oder hergerichtete Szenen vermitteln nachhaltig bei Kindern und Erwachsenen ein stärkendes Gefühl, ob es nun eine Schale mit immer neuen Blüten ist oder selbstgemachte Glücksbringer. Wer sich für die NBA interessiert, der kennt sicherlich das persönliche Ritual des bekannten Spielers Jeff Hornacek von den Utah Jazz, der vier Kinder hat: vor jedem entscheidenden Freiwurf sucht er Sammlung, indem er sich in Gedanken an seine Kinder vier Mal über die Augenbraue streift.

Rituale können wichtige innere Vorhaben verankern. Das Pflanzen einer Staude oder eines Bäumchens ist z.B. sehr beliebt, um auszudrücken, dass etwas Neues wachsen soll. Aber auch die Auseinandersetzung mit negativen Gefühlen können sie erleichtern. Etwas symbolisch mit einem Stein weit von sich werfen kann einem Entschluss Nachdruck verleihen und Platz für neue Perspektiven schaffen.

Und schließlich, wie schon so oft erwähnt, Rituale schaffen Geborgenheit. Ein Trösterchen, ein Kummerkissen, ein Angsthase können ( nicht nur ) für Kinder ein wichtiger Gefährte sein, der vielleicht auch Sachen zu hören bekommt, die nicht für alle Ohren bestimmt sind.

Einen Ausdruck und einen Platz für Rituale zu schaffen, unserer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, es gibt auch mittlerweile richtig gute Ratgeber dafür. *

Denn eines ist sicher: Rituale zu vollziehen ist kein sinnentleertes, verstaubtes Relikt oder esoterische Geheimniskrämerei, im Gegenteil, es ist aktive Seelenpflege, die gerade in schwierigen Zeiten unersetzlich ist. *

Kekse in Form von Schwein, Hufeisen und Kleeblatt

Folgende Bücher enthalten vor allem praktische Tipps:

Nitsch, Cornelia: Beide Hände reich ich dir .....
die schönsten Familienrituale, mit vertrauten Sachen Kindern Halt und Geborgenheit geben, Mosaik-Verlag

Kunze, Petra / Salamander, Catharina: Die schönsten Rituale für Kinder, GU-Ratgeber

Wer sich intensiver mit dem Thema befassen möchte, dem sei empfohlen:
Wall, Kathleen / Ferguson, Gary: Rituale für das Leben, München 1996
zurück zur Auswahlseite
[Seitenanfang]