Tiere als Begleiter kranker Kinder
Tiere als Begleiter kranker Kinder, zu diesem Thema fallen
den Meisten die Möglichkeit der Reittherapie ein, vielleicht
das in den Medien oft vorgestellte Delphinschwimmen oder aber
die Möglichkeit durch Hunde Menschen mit eingeschränkter
Sehfähigkeit oder im Rollstuhl zu begleiten.
Hygienische Bedenken ...
Weniger bekannt sind in unserem Land das in den angelsächsischen
Ländern sehr beliebte soziale Engagement der Tierbesuchsdienste
in Kliniken, Heimen und Hospizen: überwiegend ehrenamtliche
Helfer ermöglichen mit entsprechend professioneller Begleitung
und Vorbereitung ein paar Stunden in der Woche, dass durch
begleitete Tierbesuche Momente der Freude, Entspannung und
Integration möglich werden.
In unserem Land wird dieser Versuch vorwiegend unter den
(zweifelsohne wichtigen) hygienischen Gesichtspunkten betrachtet
Leider führen diese Vorbehalte jedoch dazu, dass das
Thema sofort abgelehnt und gar nicht erst diskutiert wird.
... und der Wunsch des Kindes
Kinder lieben jedoch Tiere, fast jedes Kind wünscht
sich ein Tier, kranke Kinder machen da keine Ausnahme, im
Gegenteil. Die Eltern stehen dann vor den Entscheidungskonflikten,
sei es in der Frage um ein Haustier oder einen Tierbesuch.
Die Erfahrungsberichte und Studien aus den USA z.B. zum Thema
der Tierbegleitung von Menschen mit nicht voll intaktem Immunsystem
sind hierzulande kaum bekannt.
Dr. Carola Otterstedt, seit 20 Jahren als Kranken- und Sterbebegleiterin
in der Hospizbewegung tätig, versucht nunmehr mit ihrem
Buch "Tiere als therapeutische Begleiter" einen
ausführlichen und wichtigen Schritt zu tun, um in unserem
Land diese Diskussion für die Betroffenen anzustoßen.
Ihr Buch umfasst im Wesentlichen vier Hauptaspekte:
welchen Gewinn kranke und behinderte Menschen durch die Kommunikation
mit Tieren haben, welche therapeutischen Projekte und Initiativen
es in unserem Land bereits gibt, welche Tiere für welche
Patienten geeignet sind, welche wichtigen Hygienevorschriften
wesentlich sind und wie sie im Alltag und bei Besuchen umgesetzt
werden können.
... positive Beispiele
Die beiden letztgenannten Aspekte nehmen einen verantwortungsvollen
breiten Platz in dem Buch ein, sie werden aber eingebunden
in die Frage, welche positiven, zu verantwortenden Möglichkeiten
für kranke und behinderte Menschen in der Begegnung mit
Tieren liegen.
Das Buch berichtet, zum Teil mit überzeugenden Photos,
über erste Erfahrungen in unserem Land:
Zum Beispiel hat das Erlanger Klinikum am Europakanal unter
der Leitung des ärztlichen Direktors im Bereich Neurologie
und Psychiatrie eine fast 10jährige Erfahrung im Einsatz
von Tieren und schätzt dies als einen großen Integrationsfaktor
von Patienten, Pflegepersonal und Ärzten. Ein Münchener
Notarzt berichtet, dass er mit einem kleinen Hund als Begleitung
sehr positive Erfahrungen beim Umgang mit Kindern gemacht
hat, die Schmerzen hatten oder verängstigt waren. Eine
Berliner Ergotherapeutin arbeitet mit einer geschulten Labradorhündin
und es gibt überzeugende Berichte über die Begleitung
von Katzen und Kaninchen bei Komapatienten.
... unter Beachtung bestimmet Regeln
Unter der unbedingten Prämisse, für jeden Patienten
individuell (!) die Frage nach Hygiene, persönlicher
Belastbarkeit und Eignung des Tieres sorgfältig und professionell
zu prüfen, wird einsichtig, auf welch vielfältige
Art und Weise der Kontakt mit Tieren zu einer Heilung beitragen
kann:
Die Anregung der Sinne durch Streicheln, Geruch und die Tierlaute,
die Erfahrung, das Vertrauen eines Lebewesens zu spüren,
das soziale Eingebundensein in dem Kontakt über das Tier
oder in der Verantwortung für das Tier, hat heilende,
positive Wirkung auf kranke Menschen. Das Buch erzählt
in vielen Beispielen, Erfahrungsberichten und Studien davon.
Neben dieser breiten Information, die gerade für Eltern
eine konkrete Praxishilfe ist, sei es um die Frage nach einem
Haustier oder eines Tierbesuches, finden sich auch wichtige
Informationsadressen, z.B. für Interessenten von bestimmten
Therapieangeboten.
Dr. Carola Otterstedt,
Tiere als therapeutische Begleiter
Stuttgart 2001
für Interessenten von Tierbesuchsdiensten:
Tiere helfen Menschen e.V.,
(Verein mit überregionaler Informationsarbeit)
Münchener Str. 14
97204 Höchberg |